09.04.2015

Flexible Differenzierung im Haus der NMS


Bei meinen Unterrichtsbesuchen bzw. in Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen richtet sich der Fokus unter anderem auch auf die Maßnahmen zur „flexiblen Differenzierung“, die ja ein Herzstück im Haus der NMS darstellt.

Fragen geistern durch den Kopf, z.B.:

  • Inwieweit ist das, was wir hier beobachten, flexible Differenzierung?
  • Reichen die Methoden, die wir einsetzen, aus?
  • Wie viele Methoden braucht flexible Differenzierung?
  • Welche diagnostische Kompetenz braucht es dafür?

Also setze ich mich nochmals mit der Lektüre des NMS-Konzeptes und dem School Walkthrough auseinander:

Tatsache ist: Flexible Differenzierung erfordert weder " Materialschlachten" noch "Methodenkarussell" noch das "Gießkannenprinzip".

Vielmehr bedeutet flexible Differenzierung Folgendes:

  1. Sie ist eine Strategie, um sicherzustellen, dass alle Schüler/innen die (Kompetenz)Ziele zumindest zum Teil erreichen. Es kommen dann Differenzierungsstrategien zur Anwendung, wenn die Lücke zwischen dem Ist-Stand und dem Ziel des Lehr- & Lernprozesses zu groß ist (also größer als der Plan).

  2. Differenzierung pflegt eigentlich eine Philosophie der Erfolgsorientierung: Auf Basis des Zielbildes und der Kriterien des rückwärtigen Lerndesigns werden Lernprodukte und Beurteilungskriterien erstellt und somit muss auch der Bedarf für die Differenzierungsmaßnahmen in den jeweiligen Klassen festgestellt werden. Auf Basis der formativen Leistungserhebungen stellt die Lehrperson vorab den aktuellen Kompetenzstand der jeweiligen Schüler/innen fest. Man achtet auf die Lücke zwischen dem Lehren und Lernen und bietet den betroffenen Schüler/innen unter dem Blickwinkel der Zielerreichung die nötigen und individuell sinnvolle Lernwege an. D.h. möglichst auf Basis der Informationen zum Leistungsstand der Schüler/innen wird entschieden, ob und wo es Handlungsbedarf in der Gestaltung möglicher passender Lernangebote gibt.

  3. Differenzierung ermöglicht ein zielgerechtes, wirkungsvolles und motivierendes Lernen. Das wird möglich durch die Berücksichtigung der Interessen und Lernpräferenzen als auch des Lernstandes der jeweiligen Schüler/innen. D.h. die Berücksichtigung, wie die einzelnen Kinder am besten lernen und wofür sie sich interessieren, dient der Motivation und der Nachhaltigkeit des Lernens. Um zu verhindern, dass der Unterricht über einzelne oder mehrere Kinder hinweg abläuft,  muss eine Lehrperson ihre Schülerinnen und Schüler auch besser kennen. Nur so kann sie wissen, auf  welche Themen, Interessen, Lernstile sie von Zeit zu Zeit eingehen muss, um das Lehren und Lernen in den Klassen nachhaltiger und erfolgreicher begleiten zu können. Die Notwendigkeit zur Differenzierung besteht dann, wenn Informationen unmittelbar aus dem Unterricht darauf hinweisen, dass die Lernenden über- oder unterfordert, frustriert oder gelangweilt sind (siehe School Walkthrough, S. 7f.)

  4. Wirkungsvolle und sinnvolle Differenzierung bedeutet,  dass man zeitgerecht und gezielt formative Leistungsbeurteilungsverfahren einsetzt, um das Lehren und Lernen daran gezielt zu organisieren, zu planen. Auf Basis des rückwärtigen Lerndesigns und der geplanten Leistungsbeurteilungsmaßnahmen werden Differenzierungsstrategien entwickelt, die ihrerseits wieder Rücksicht auf die Kompetenzorientierung, die Lernseitigkeit und Diversität nehmen.

  5. Alle Bereiche im Haus der NMS stehen mit der flexiblen Differenzierung in Wechselwirkung. Es braucht klare Ziele und Kriterien (s.Lerndesign), kontinuierliche Lernstandserhebung und flexible, sich ändernde Gruppierungen in Verbindung mit respektvollen Aufgaben.

Das Kernstück der Differenzierungsarbeit steht für die Lehrpersonen unter dem Motto: "Kenne deine Wirkung!" (nach J.Hattie)

Quelle: Das Haus der NMS, School Walkthrough

Quelle der Methoden: Ressourcenpaket formative Leistungsbeurteilung

Weitere Methoden für förderliche Leistungsbewertung: Thomas Stern (ÖZEPS)

Interessante Präsentation der PH Freiburg: Lernstandsdiagnose und Leistungsbeurteilung in heterogenen Lerngruppen.